Ma, Wien, wie schön Du bist

von in Auf Reisen

Die Liste der Städte, die ich auf Anhieb ins Herz geschlossen habe, ist um eine Stadt gewachsen. Herrschaftszeiten! Was für eine tolle Stadt ist Wien bitte?! Sie hat mich mit ihrem Flair, dem tollen Duft und allem, was dazu gehört, direkt in ihren Bann gezogen. Ein Satz reicht wahrlich nicht, um diesen Ort zu beschreiben. Sepalot! Wo fange ich an, wo höre ich auf?

Warum eigentlich Wien? Nun, erstens war ich noch nie dort und zweitens hatten Hanna und ich unsere zehnjährige Freundschaft nachzufeiern. Sie kommt aus Österreich und hat einige Jahre in der Hauptstadt gelebt. Einen besseren Reiseführer konnte ich mir also gar nicht wünschen.

Wir waren über Ostern da, und wer auch nur ansatzweise etwas für dieses Fest übrig hat, sollte unbedingt zu dieser Zeit nach Wien reisen. Ostern ist hier keine Marketing-Masche, sondern wirklich serious business. Und allgegenwärtig. Kein Blumentopf, in dem kein Hase drin versteckt ist. Es gibt Geschäfte, die nur Ostersachen verkaufen. Die Busse schreiben „Happy Easter“ auf ihre Anzeigen. Schon lustig irgendwie.

Übernachten

Wer etwas zu feiern hat, sollte auch dementsprechend wohnen. Wir haben uns deshalb ein paar Nächte im Grand Ferdinand gegönnt. Ein putziges Hotel mit herzlichem Personal und einem Hammer-Frühstück. Die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, mit der perfekten Mischung aus traditionellem Grand-Hotel-Stil und modernen Elementen. Und der Ausblick vom Restaurant im 8. Stock ist absolut traumhaft.

Shoppen

Etwas, was ich im Urlaub selten bis nie mache: shoppen. Etwas, was ich in Wien so ausgiebig gemacht habe, wie noch nie: shoppen. Vielleicht, weil es einfach Spaß macht, durch die Bezirke zu laufen. Alles ist hübsch, allein die Typographie der Ladenschilder ist die Reise wert.

Schöne Aufmerksamkeiten für die Wohnung habe ich im Interio (Mariahilferstraße) gefunden. In den Manner-Shop am Stephansplatz muss man einfach einmal rein, allein der schönen Dosen wegen. Eigentlich gar nicht so mein Laden, aber bei WE BANDITS (Neubaugasse) habe ich einen tollen Sommerrock für Nicole gefunden. Mein absoluter Lieblingsladen war allerdings Walter Weiss in der Mariahilferstraße. Meine Herren, wenn es diesen Laden in Hamburg geben würde – ich wäre Stammkunde. Und bald pleite. Dieses Geschäft sollte neben Schnitzel und Prater auf jeder Reise-To-Do-Liste stehen.

Auf jeden Fall lohnt auch ein Besuch bei Julius Meinl, um ein paar lokale Spezialitäten zu kaufen. Vor allem aber ist das Meinl ein einfach schöner Supermarkt, den ich mir auch zu Hause wünschen würde. Und wer einen schönen Hut braucht, sollte bei Mühlbauer vorbeischauen, wo es tolle handgefertigte Kopfbedeckungen gibt.

Julius Meinl am Graben – so schön!

Trinken

Bei Bars und Drinks bin ich mittlerweile pingeliger als beim Essen. Es gibt einfach zu viele schlechte Tresen mit schlecht gemischten Getränken auf dieser Welt. In der loosbar (Kärntner Durchgang) wurden meine Zweifel aber direkt im Keim erstickt: der Vieux Carré hat mich vor Verzückung fast ein Lied trällern lassen. Auf den Punkt gemixt, herzlichen Dank, keine weiteren Fragen. Dazu wieder ein supernetter Service. In Deutschland hat jedenfalls noch nie ein Kellner „Ma, danke, wie lieb!“ zu mir gesagt, wenn ich ihm Trinkgeld gegeben habe. Your move, Piefkes!

Ich hatte mir vor dem Trip eine lange Liste mit Craft Beer Bars geschrieben, die ich abklappern wollte. Wie viele ich letztendlich besucht habe? Keine. Manchmal ist man einfach in einem Flow, der keine Listen zulässt, sondern nur Momente. Aber Bier eingekauft habe ich trotzdem, und zwar bei den BeerLovers in der Gumpendorfer Straße. Mein Fokus lag auf regionalen Spezialitäten, da ich internationale Biere auch zu Hause gut bekomme. Die Auswahl dort ist schon recht groß, allerdings auch etwas Mikkeller- und To Øl-lastig. Trotzdem ein toller Supermarkt für Bierfreunde! Mitgenommen habe ich mir FrastanzerForstner und eine Dose von Bevog. Bin gespannt.

Wer ein Päuschen braucht, der kann im Cafe Europa entspannt eine Schorle trinken. Oder geht in das Café vom The Guest House und setzt sich an den wunderschönen Tresen. Dort gibt es einen hervorragenden Kaffee. Die Preise sind günstiger, wenn man direkt am Tresen bestellt und verzehrt. Das haben die sich bei den Italienern abgeguckt. Finde ich gut! Übrigens gibt es dort eines der schönsten Treppenhäuser, die ich je gesehen habe. Also auf Klo gehen nicht vergessen.

Essen

Hunger? Gut. Ich auch. Das NENI auf dem Naschmarkt ist quasi Pflicht. Ich liebe das Essen einfach. Der Hummus, die Falafel, das Babaganoush – alles großartig. Ruhig etwas Geduld mitbringen, wenn alle Tische besetzt sind. Zu zweit wartet man nicht so lange, zu viert besser reservieren. Am besten draußen sitzen und beim Essen das Getümmel vom Naschmarkt beobachten. Wer es asiatisch mag, ist im ra’mien in der Gumpendorfer Straße gut aufgehoben. Die Küche bietet einen Mix aus vietnamesischen, kantonesischen und thailändischen Spezialitäten. Die „La Mien“ mit Ente ist saulecker, das Personal super freundlich.

Ein gutes Frühstück gibt es bei Joseph, mit leckeren Bio-Broten aus eigener Herstellung. Der Roggensauerteig schmeckt unglaublich gut, das „The Healthy“ auf getoastetem Vollkorn-Urlaib mit Avocado, Lachs und pochierten Eiern ist mega.

Wer es etwas kuscheliger mag, sollte versuchen, einen Platz im Innenhof vom Amerlingbeisl im 7. Bezirk zu ergattern. Hier gibt es saisonale und regionale Gerichte – und mit dem „TAP7“ von Schneider Weisse auch ein g’scheites Weißbier. Der Backhendl Salat ist eine Wucht. Und ich bin sonst nicht mal Fan von Backhendl, da es meist zu trocken ist.

Und was ist mit Schnitzel? Vom Figlmüller wurde uns abgeraten (überbewertet). Das Schweizerhaus am Prater hingegen wurde uns sehr ans Herz gelegt. Zu Recht! Die Panierung knusprig und nicht zu fest, der Geschmack leicht buttrig, das Fleisch sehr zart. Dazu ein Erdäpfelsalat und ein Bier vom Fass. Absolute Gönnung.

„The Healthy“ beim Joseph

Gucken

Die Schnitzel-Kalorien kann man sich dann hervorragend am Prater wieder ablaufen. Die alten Spielgeräte auf dem Jahrmarkt sind tolle Fotomotive und eine Fahrt im Break Dance lässt Dich wieder 17 sein. Obwohl ich das 20 Jahre später nicht mehr so gut weggesteckt habe wie damals. Irgendwie war früher weniger Nahtoderfahrung. Trotzdem: Den Prater sollte man sich angucken. Und mit dem Riesenrad fahren! Wien von oben ist einfach schön. Und ja, der Kettenkarusselturm nebenan ist höher, als das Riesenrad. Die Frage kam in der Gondel auf.

Auch schön, obwohl der Touristenmagnet schlechthin: der Stephansdom. Vor allem, wer es etwas morbide mag, wird an der Beleuchtung des Saals seine Freude haben. Die Parallelen zu den Höhlen von Moria aus Der Herr der Ringe lassen einem wohlige Schauer über den Rücken laufen. Fehlt nur noch der Balrog, der hier ein tiefes „Seas!“ durch die Halle schnauft.

Auch das Schloss Schönbrunn ist alles andere als ein Geheimtipp und war brechend voll. Aber den Park und den Ausblick von der Gloriette nicht gesehen zu haben, ist schon grob fahrlässig.

Gucken kann man in Wien übrigens auch gut während einer U-Bahnfahrt. Die Bahnhöfe erinnerten mich irgendwie an Playmobil, jeder hatte ein anderes Design. Auch der 70er-Jahre-Touch in den Zügen selbst sagt mir sehr zu.

Und natürlich lohnt sich immer ein Spaziergang durch das Museumsquartier im 7. Bezirk, vorbei am Naturhistorischen Musuem. Vor allem, wenn die Sonne schon untergegangen ist und alles so schön beleuchtet ist.

Die Aussicht von der Gloriette am Schloss Schönbrunn

Und sonst so?

Wien hat wirklich Flair! Allein, um abends durch die Bezirke zu schlendern und die toll illuminierten Bauten zu bewundern lohnt sich ein Besuch. Auch die gepflegte Wortwahl der Wiener habe ich geliebt, ob im Service oder bei der Tram-Durchsage.

Ich hoffe sehr, dass ich bald wieder dort bin. Vielleicht sogar noch dieses Jahr, wenn es etwas wärmer ist und sich noch mehr Leben auf der Straße abspielt. So lange sage ich: Bis bald, Du tolle Stadt. Servus pfiat di, baba!