Düsseldorf oder Köln: Hauptsache Uerige Alt

von in Craft Beer

Nach Hause kommen, Tasche in die Ecke knallen, irgendeine alte Scheibe von The Haunted auf Anschlag drehen. Es ist Freitagabend, der Februar ist vorbei und der Frühling ist frühzeitig von seiner Geschäftsreise zurückgekommen. Freitag ist der Tag, an dem mein Energielevel auf Endgegner eingestellt ist. Ich will raus, ich will laute Musik und vor allem will ich eins: ein Bier!

Biertrinken ist ja so eine Sache. In Deutschland herrscht da eher eine Saufkultur, während bei Wein jeder auf Sommelier macht. Das liegt daran, dass Bier bisher immer ein Getränk des Proletariats war. Genau, wie Fußball bis vor fünfzehn Jahren ein Proletensport war. Hinzu kommt, dass das Bier in den Kneipen immer die gleiche Brühe ist. Astra oder Becks, wenn man Glück hat, Jever. Wie soll man da einen feinen Gaumen entwickeln? Ein Hoch auf den Hype der Craft-Beer-Bewegung. Wirklich.

Zurück zu meinem Freitagabend. Bier schmeckt mir nicht immer, muss ich sagen. Aber in Zusammenhang mit Feierabend, Metal und Wochenende geht der Saft runter wie die Facebook-Aktie nach der Veröffentlichung neuer Datenschutzbestimmungen. Ich probiere ein Bier einer Mikro-Brauerei aus Düsseldorf namens Uerige Obergärige Hausbrauerei. Noch nie von denen gehört, aber eine schöne Flasche haben die. Ich bin Mädchen und nehme sie mit.

Das Schöne am Obergärigen ist ja, dass es immer leicht fruchtig und herb zugleich um die Ecke kommt. Letzten Sommer haben wir alle Pale Ale getrunken. Genau aus diesem Grund. Das Uerige Alt macht es nicht anders und betritt angenehm rund durch die Tür. Um dann herrlich bitter Platz zu nehmen. Man schmeckt den Tresen, die Altstadt und deren Verschläge, wo sich die Sauftouristen nicht hin verirren. Die Karamellnote verbinde ich mit guten Freunden auf einer guten Party. Das war bei Karamell schon immer so. Das riecht so herrlich süß und bitter zugleich, ich weiß, ich bin in guter Gesellschaft. Ich bin begeistert.

Als Hanseat ist mir der ganze Köln-Düsseldorf-Beef ja so egal wie deren Karneval. Aber beim Bier gewinnt bei mir ganz klar das Alt. Ich weiß auch gar nicht, warum es das Kölsch überhaupt noch versucht. Das ist für mich wie Heineken: ein Bier trinken, für vier auf Klo gehen. Und ja, ich habe schon richtiges Kölsch getrunken, stilecht aus einem dieser Reagenzgläser. Nee, da gewinnt Düsseldorf für mich konkurrenzlos. Das Uerige Alt punktet vor allem damit, zu bleiben. Und da wären wir wieder auf der Party mit den guten Freunden. Man möchte nicht gehen, man möchte bleiben. 

Schöne Flasche, schöner Inhalt

Schöne Flasche.

uerige-paar

Schöner Inhalt.