Thirsty Thursday Mort Subite – Gueuze Lambic

von in Craft Beer

Ich kann mir nicht helfen, aber trotz all der aufregenden und verrückten Bierstilen, die es gibt, lande ich am Ende immer wieder bei den klassischen belgischen Bieren. Denn die fühlen sich an wie ein entspannter Nachmittagstee nach einem Tag auf dem Hamburger Freitagsdom. Und das mag ich. Im Gegensatz zu vielen angesagten Bieren mit mindestens fünf Hopfensorten, die einen oft mit Aromen erschlagen, geht es bei den belgischen Stilen um gekonntes Understatement. Bedeutet: Der Fokus liegt auf der Hefe. Die Biere sind komplex, ohne zu überfordern.

Bei Gueuze Lambic von Mort Subite gibt es allerdings einen Überraschungsmoment, der eventuell für eine kurze Aufregung sorgt. Bei einem Lambic erwartet der geübte Biertrinker eigentlich ein fruchtig-saures Bier. Das Gueze Lambic aber ist vor allem im Mittelteil und Nachtrunk ungewohnt süß und weich. Die Frucht ist durchgehend präsent und wird von einem weichen Schaum und einer leichten Karamellnote unterstützt. Ein klassisches Lambic? Eher nicht. Ein spannendes und komplexes Bier? Auf jeden Fall.

Das Geheimnis liegt hier im Verschnitt von jungen mit mindestens drei Jahre im Eichenfass gelagerten, spontanvergorenen Lambic-Bieren. So trifft die Frische der jungen Biere auf das weiche und komplexe Aroma der fassgelagerten Biere. Während die Allgemeinheit eher unbeeindruckt scheint, hat das Gueze Lambic bei den World Beer Awards 2012 den Preis für das beste Sauerbier abgeräumt. Ihr seht: Wir haben es hier mit einem verkannten Genie in der Flasche zu tun.

Wer einen Einstieg in die Welt der spontanvergorenen Biere aus Belgien sucht und sich mit der fruchtigen Säure bisher nicht anfreunden konnte, der wird mit dem Gueuze Lambic eine gute Zeit haben. Vor allem im Sommer und gut gekühlt (2–4 °C) kommt es richtig geil. Von Ananas bis Pflaume sind viele Früchte vertreten, bernsteinfarben schimmert das Licht durch das Glas und die Karbonisierung ist nahezu perfekt. Gezondheid!