Oslo analog

von in Auf Reisen Fotografie

Seit August 2012 ist es nahezu unmöglich, Oslo ohne Zusammenhang mit dem Amoklauf zu nennen. Menschen wünschten mir viel Glück und rieten zur Vorsicht, als wir damals, gut zwei Monate nach der Katastophe in Oslo und auf Utøya, in die norwegische Hauptstadt reisten, um Freunde zu besuchen. Ich fragte mich immer, warum ich vorsichtig sein sollte. Hatte er noch einen Bruder, der gleiches vorhatte? So ein Humbug. Ich freute mich sehr auf den Trip und hatte viel mehr Angst vor dem Flug dorthin. Doch selbst der ist schon die Reise wert: Eine Landung im vernebelten Oslofjord ist eine Mischung aus Märchen und Nahtoderfahrung.

Das Wetter in Oslo war oktobertypisch. Zwölf Grad und Regen, während es in Hamburg an diesem Wochenende noch ein mal so richtig Sommer wurde. Ich war gespannt, wie die Praktica mit den herbstlichen Witterungsverhältnissen umgehen wird. Als ich die entwickelten Bilder abholte, war ich überrascht: So schön kann Scheißwetter sein!

Oslo analog – Holbergs plass

Holbergs plass

Oslo analog

Downtown

Oslo analog – Stadtbild

Downtown

In Oslos Innenstadt war um Ground Zero herum zwar weiträumig alles abgesperrt, doch es war nicht ansatzweise etwas von Ausnahmezustand zu spüren. Einzelne Wachen saßen gelangweilt an ihren Posten und auch sonst nahm alles seinen gewohnten Gang. Zeit genug also, um unter dem neugierigen Blicken eines Wachmanns diese Fotos von Häuserwänden zu schießen. Ein »Hey, was machen Sie denn da?« habe ich ja schon etwas vermisst.

Oslo analog – Hafen

Am Hafen von Oslo

Oslo analog – Garde

Des Königshaus Garde

Oslo analog – Prinz Haakon

Prinz Haakon (ohne Mette-Marit) beim Ausritt

Wir waren mit unserem Gepäck gerade auf dem Weg zur Bahnstation, als auf einmal diese Garde die Straße säumte. Polizistinnen regelten den Verkehr, ließen mich aber ungestört Bilder mitten auf der Straße machen. Einige Minuten später fuhr auch schon der Haakon im Convertible an uns vorbei. Stimmung: entspannt. Keine Scharfschützen, keine nervösen Ordnungshüter. Geht halt auch ohne.

Oslo analog – Nationaltheatret

Station Nationaltheatret

Oslo analog – Operahuset

Operahuset

Oslo ist eine schöne Stadt, selbst bei diesem Wetter. Die Menschen sind entspannt reserviert, man kann nahezu alles zu Fuß erreichen. Ja, es ist sehr teuer dort. Verdammt teuer. Aber dafür kann man sich auch sicher sein, dass man dort keinen Schrott serviert bekommt. Denn mit den Preisen steigen auch die Ansprüche – nicht nur die der Touristen. Außerdem gibt es dort mit Nøgne ø das beste Bier der Welt.