Greg Koch, CEO Stone Brewing „Nachhaltigkeit ist ein Teil unserer DNA“

von in Craft Beer

Er ist einer der Pioniere der amerikanischen Craft Beer Bewegung: 1996 gründete Greg Koch gemeinsam mit Steve Wagner in Kalifornien Stone Brewing, heute die neuntgrößte Brauerei der USA. Jetzt eröffnet in Berlin die erste Depandance außerhalb der Vereinigten Staaten. Ein 25-Millionen-Dollar-Projekt, auf das die deutsche Bierszene mit Spannung blickt. Denn Stone Brewing steht nicht nur für besonders kräftige und hopfenbetonte Pale Ales – sondern vor allem auch für die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Koch selbst gehört seit dem Jahr 2000 der Slow Food Bewegung an, und so wundert es kaum, dass man auch in dem der Berliner Brauerei angeschlossenen Restaurant voll auf regionale und saisonale Bio-Zutaten setzen wird.

Auf der INTERNORGA in Hamburg hatte ich Gelegenheit, mit dem 51-Jährigen über die Herausforderungen einer Brauereieröffnung in Deutschland und über geplante Kollaborationen zu sprechen und vor allem eine Frage zu klären: Warum wird es die Stone Brewing Biere nur in Dosen geben?

 

Im Frühsommer eröffnet Stone Brewing Berlin. Warum habt Ihr Euch als Location für die erste Brauerei außerhab der USA gerade für Deutschland entschieden?
Wir waren nicht von Anfang an auf Deutschland fokussiert. Auf der Suche nach der geeigneten Location haben wir uns mehr als 130 Orte in neun Ländern angeschaut. Und in Berlin schließlich den perfekten Platz gefunden. Die Craft Beer Szene dort ist noch jung und unglaublich kreativ, das hat uns total gereizt. Und als wir dann das historische Gaswerkgebäude in Berlin-Mariendorf sahen, war die Sache beschlossen. Die Location ist nicht nur wahnsinnig schön, sie bietet auch viel Platz und uns so die Möglichkeit, nach und nach zu wachsen. Im Garten können und werden wir sogar ein Restaurant eröffnen – besser geht es einfach nicht.

Was waren im Vorfeld die größten Herausforderungen?
Die gesetzlichen Vorschriften sind immer die größte Herausforderung, egal wo Du bist auf der Welt. Ich glaube, dass die Vorschriften in Deutschland nicht unbedingt strenger sind als anderswo – aber sie sind anders. Es geht hier schon recht bürokratisch zu. Das ist in den USA komplett anders. Aber das macht auch den Reiz aus: andere Sprache, andere Zeitzone, andere Kultur, andere Vorschriften, andere Rechtsordnung – ich lerne gerade sehr viel dazu (lacht).

Das Deutsche Reinheitsgebot feiert 2016 sein 500-Jähriges Bestehen – und ist gerade in der Craft Beer Szene nicht unumstritten. Machen Dir die Regularien Angst?
Ach, das Reinheitsgebot… Das ist für die anderen (lacht). Aber mal im Ernst: Die Frage wird mir dauernd gestellt. Ich habe das Gefühl, man traut uns nicht zu, hier nach den nationalen Spielregeln Bier zu machen, nur weil wir Amerikaner sind. Das ist doch Quatsch. Kannst Du tolles Bier brauen, ohne dem Reinheitsgebot zu folgen? Ja. Hat das Einfluss auf die Qualität? Nein, das wäre dumm zu glauben. Wir werden also nach dem Reinheitsgebot brauen, wenn es für ein Bier Sinn macht – und es auch einmal nicht tun, wenn das für spezielle Biere wichtig ist.

Greg Koch, CEO Stone Brewing Co.

Greg Koch, CEO Stone Brewing Co.

Auf welche Biere können wir uns von Euch freuen?
Es wird fünf ganzjährige Sorten geben: Das „Stone IPA“, ein Westcoast-IPA für Hopfenfanatiker, das „Stone Ruination Double IPA“, das erste vollständig gebraute und abgefüllte Double IPA auf Westküstenart, das „Arrogant Bastard Ale“ – für mich die Verkörperung flüssiger Arroganz und ein echt geiler Stoff, das „Stone Cali-Belgique IPA“, ein hopfenreiches, belgisch angehauchtes kalifornisches IPA und das „Go to IPA“, ein mit der „hop-bursting“-Technik gebrautes Session-IPA. Dazu werden wir limitierte Versionen und Spezialbiere von Stone San Diego anbieten.

… und auch auf Kollaborationen setzen?
Auf jeden Fall. Es sind bisher 13 Kollaborationen allein in Berlin geplant. Das haben wir schon angedacht, bevor wir wussten, dass wir hier eine Brauerei eröffnen. Los geht es aber erst einmal an anderer Stelle: Vor eineinhalb Jahren haben wir über soziale Netzwerke einige Kollaborationen eingetütet – und die Biere werden wir auch als erstes brauen. Unter anderem mit BrewDog, Baladin aus Italien, Maui Brewing, Avery Brewing und AleSmith. Anschließend freuen wir uns darauf, mit neuen Freunden aus Berlin und anderen deutschen Städten zusammenzuarbeiten.

Eure Biere werdet Ihr im Handel ausschließlich in Aluminiumdosen anbieten. Einige verbinden die immer noch mit minderer Qualität und Billigbier…
Wir wollten nie Dogmen folgen oder Vorurteile bedienen. Unser Ziel ist es, immer frisches und qualitativ gutes Bier anzubieten und das, ohne Umwelt und Klima unnötig zu belasten. Deshalb haben wir uns für Dosen entschieden. Sie sind in meinen Augen einfach die beste, hochwertigste und auch nachhaltigste Verpackung, zumindest wenn man wie wir das Bier in einem sehr großen Gebiet verkauft. Warum? Dosen sind besonders umweltfreundlich, denn sie können überall recycelt werden. Aluminium kann ohne Qualitätseinbußen unendlich oft wiederverwendet werden. Man benötigt weniger Energie, um Dosen zu transportieren, da sie leichter sind als Glasflaschen. Zudem wird am Stromverbrauch für Maschinen gespart und an heißem Wasser und umweltschädlichen Chemikalien, mit denen man Glasflaschen reinigen muss. Außerdem bleibt das Bier in Dosen optimal vor Licht- und Lufteinwirkungen geschützt, die die Qualität mindern können.

Stone Brewing Dosen

Zwei Prototypen der bald erhältlichen Dosen.

Stone Brewing ist bekannt für sein Engagement in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Spielen die Themen auch für den deutschen Ableger eine große Rolle?
Ja, definitiv. Nachhaltigkeit ist ein Teil unserer DNA – und die Grundlage all unserer Entscheidungen. Ich denke, dass die jüngeren Generationen in Deutschland und der ganzen Welt heute einen größeren Wert auf Nachhaltigkeit legen als die Generationen vor ihnen. Und ich finde das wunderbar. Egal, was man tut, man sollte sich immer fragen: Was ist das beste für die Umwelt, für die Nachbarschaft, für mich? Verantwortungsbewusst zu agieren ist dann nicht kompliziert. Und das versuchen wir natürlich auch in Berlin. Es wird zum Beispiel ein modernes Energierückgewinnungssystem geben, wodurch beim Brauen circa 32 Prozent Wärmeenergie und 23 Prozent Wasserverbrauch eingespart werden können.

Klingt sehr gut und wir wünschen viel Erfolg! Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage: Was rätst Du als langjähriger Profi Hobbybrauern, die überlegen selbst eine Brauerei zu gründen?
Vergiss nie: Brauen ist Kunst. Und Kunst ist nur dann gut, wenn sie vom Künstler kommt und nicht vom Publikum bestimmt wird. Bedeutet: Man sollte sich nicht zu sehr darum scheren, was der Markt vielleicht will – sondern vielmehr dem eigenen Geschmack trauen und seiner Leidenschaft folgen. Dann kann nicht viel schiefgehen. 


Den kompletten Bierkalender von Stone Brewing in Berlin findet Ihr hier.
Mehr Infos zum Berliner Ableger der Brauerei gibt es auf berlin.stonebrewing.com.