Expedition ins Bierreich #nowinetoday

von in Craft Beer

Martin Bier, ich Wein – so läuft das in der Regel bei uns. Mit Bier und mir ist das nämlich so eine Sache. Ich mag einige, viele aber eben auch nicht, probiere immer wieder, und das wahrscheinlich trotzdem viel zu selten. Oft ist es mir zu bitter oder herb, zu stark oder zu sättigend. Und sicherlich geht das auch noch anderen Damen (und Herren) da draußen so. Und die lassen dann gleich ganz die Finger von den Gerstensäften. Auch irgendwie schade.

Deshalb habe ich mich zusammen mit meiner Freundin Maike auf die Suche nach Einsteigerexemplaren gemacht, die einen nicht gleich aus den Socken hauen. Ausgesucht haben wir rein nach Optik. Sieht nicht so stark aus? Nehmen wir! Dann haben wir gemeinsam probiert. Bitte beachtet: Wir haben keine Ahnung von Bier und sagen nur, was uns schmeckt – und was eben nicht. Es folgt: ein sehr subjektives Experiment in sechs Akten.

1. WATT Blondes – Sylter Genussmacherei (List)

Pilsner, 4,9 % ABV

Beim Blick auf die Flasche denkt man: Lustiger Name. Und wird aus Nordseewasser gebraut. Hört, hört! Die mattschwarze Aluflasche ist mal was anderes, ganz cool irgendwie. Die Nordsee ist wild, das Klima rau – und das erwarten wir auch von diesem Bier. Etwas Herbes, aber auch nicht zu krass. Immerhin reden wir hier von Sylt. Wir glauben, dieses Bier ist für die Püppis, die auf der Insel mal einen auf lässig machen wollen.

Und so schmeckt’s: Etwas malzig. Insgesamt sehr leicht. Sehr harmlos. Sehr flach irgendwie auch. Wenig Kohlensäure. „Muss man schnell trinken, sonst wird das lasch“, sagt Maike. Und gar nicht herb ist es. Nur ab dem zweiten Schluck ein bisschen bitter. So schmeckt die Nordsee? Da muss doch mehr gehen. Ein lustiges Mitbringsel zum Grillabend ist es aber allemal. Und: „Frisch vom Fass schmeckt es viel besser!“, sagt Maike, die das aus erster Hand weiß. Also ab nach Sylt!

Ca. 5 Euro, erhältlich z.B. über Feinkost Meyer.

2. Meckatzer Hell – Familienbrauerei Meckatzer (Allgäu)

Helles, 4,9 % ABV

Beim Blick auf die Flasche denkt man: Hallo, Bayern! Vor unserem inneren Auge: laue Sommernächte in Münchens Biergärten. Herrlich. Ein Helles, das mögen wir doch, oder? Ist nicht so wuchtig, nicht so schwer, kann man bestimmt gut wegsüffeln.

Und so schmeckt’s: Huch, sieht aus wie Pippi. Kaum Schaum. Aber schmeckt ziemlich gut. Leicht und angenehm. Kommt ja auch aus Bayern. Und da trinkt man gern Bier und gern viel Bier und das auch schon mittags – da braucht man was, was gut runterläuft. „Bieriger und mit etwas mehr Perlage als das WATT Blondes ist es“, befinden wir. Kann man sehr gut wegtrinken. Easy Drinking – damit kommt man über den ganzen Abend. Hau wech!

9 Flaschen ca. 19 Euro, erhältlich z.B. über Biershop Bayern. 

3. Raid Beer – To Øl (Kopenhagen)

Pilsner, 5,2 % ABV

Beim Blick auf die Dose denkt man: Polka Dots! Wie hübsch! Ziemlich stylish, dieses Döschen. Kommt ja auch aus Dänemark. Die haben das mit dem Design halt drauf. Wir mögen die Optik, das Raid Beer sieht gar nicht wie ein Bier aus. Macht schon mehr her als ’ne Buddel Astra. Böse Zungen würden sagen: Damit kann man sich auch gut in der Öffentlichkeit blicken lassen, haha! Was Schweres erwarten wir nicht – sondern eine schöne Erfrischung. Eventuell sind wir voreingenommen, weil wir Kopenhagen so gern haben…

Und so schmeckt’s: Cooles Schaumkrönchen. Deutlich mehr als bei den anderen. Und dann das: Es schmeckt fruchtig, und wie! „Nach Ananas“, sagt Maike. „Und nach Papaya.“ Ich kann das mal wieder nicht genau benennen, freue mich aber sehr über das, was ich da im Glas habe. Echt verdammt lecker. Vielschichtiger als die vorherigen, was an den unterschiedlichen Hopfensorten liegt, die hier verwendet werden (erklärt uns Martin). „Kostet aber auch acht Mark!“, stellt Maike fest. Recht hat sie. Kauft sich Vati am besten nicht, um jeden Abend fünf Dosen wegzuhauen. Eine zum Genießen reicht vollkommen. Oder mal beim Abendessen mit Freunden zu einem Gang dazu. Zu gut.

Ca. 4 Euro, erhältlich z.B. über Beyond Beer.

4. Mama – Oedipus Brewing (Amsterdam)

American Pale Ale, 5,0 % ABV

Beim Blick auf die Flasche denkt man: Könnte alkoholfrei sein (Spoiler: ist es nicht). Oder sehr leicht (Spoiler: ist es auch nicht). Für Mütter! Oder für alle, die Mutter werden wollen? Da schwimmen Spermien über das Etikett. Dann steht da noch was von Citrus. Ein Alster? Verwirrung macht sich breit.

Und so schmeckt’s: Riecht schon mal sehr gut. Nach Litschi (das riecht wieder Maike, ich rieche Bier). Viele Bobbles. Und jetzt gehen die Meinungen auseinander: Ich finde das Mama ganz schön bitter und schmecke gar keine Frucht. Eher Seife, in meinem Mund zieht sich alles zusammen. Schade, ist doch eine Flasche, mit der man gern auf einer Party herumstehen würde. Maike sieht das anders und sagt: „Ein Durstlöscher. Zum Wegzischen. Wenn auch nicht so lieblich-leicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt.“ Wir einigen uns darauf, dass es das perfekte Bier ist, um seinem Mann die freudige Botschaft einer Schwangerschaft zu verkünden. „Du, setz Dich mal…“.

Ca. 3 Euro, erhältlich z.B. über Beyond Beer. 

5. Thirsty Lady – Heidenpeters (Berlin)

American Pale Ale, 4,9 % ABV

Beim Blick auf die Flasche denkt man: Ein Bier für Frauen. Für durstige Frauen. Für uns! Schlicht, einfach, lecker. Trinkt man im Bikini am Strand, während die Jungs noch die letzten Wellen reiten.

Und so schmeckt’s: Schööön viel Schaum. Geil! Es riecht malzig und ein wenig nach Mango. Schmeckt komplett anders, als die anderen. „Hefig!“, sage ich – „Wie ein Alster!“, sagt Maike, die Zitrus herausschmeckt. Ich schmecke Banane. Herrje. Aber lecker ist es, das finden wir beide. Ein richtig gutes Sommerbier.

Ca. 2,40 Euro, erhältlich zum Beispiel über Brewcomer. 

6. Thanks David – Oedipus + Brew By Numbers

Gose, 4,0 % ABV

Beim Blick auf die Flasche denkt man: Ach wie niedlich. Ein Gute-Nacht-Bier. Schmeckt bestimmt wie Vitamalz. Cremig, wohlig, süß. Mmh. Große Vorfreude!

Und so schmeckt’s: Sauer. Alter! Und wie. Bäh. Iiih. Öh. Nee. Das sind so die Geräusche, die wir nach dem ersten Schluck von uns geben. Hier täuschen die Wölkchen und Mädchenfarben: Das ist kein Bier für Anfänger. Auf der Flasche steht Pfirsich – riechen wir nicht, schmecken wir nicht. Ganz leicht im Nachgeschmack vielleicht. Ansonsten: Sauerkraut, Actimel. Wir haben Gänsehaut. Sauerbiere muss man echt mögen. Wer das tut, liebt sie dann meist abgöttisch – uns war es aber irgendwie (noch) zu krass. Thanks but no thanks, David.

Special Edition – nicht mehr erhältlich. Wer Lust auf ein Sauerbier hat, probiert z.B. mal dieses hier (Tipp von Martin). 

Dein erstes Sauerbier vergisst Du nie.

And the winner is …

Wer fleißig mitgelesen hat, ahnt es schon: Der Sieger unserer Bier-Amateur-Herzen ist ganz klar die Dose, das Raid Beer von To Øl! Sieht gut aus und schmeckt richtig lecker. Perfekt für warme Sommerabende. Wir sind dann mal am Elbstrand!

Unser Liebling: „Raid Beer“ von To Øl