Ein Wochenende in Marrakesch

von in Auf Reisen

Spontan sein soll man, das sagen ja irgendwie immer alle. Und auch wir finden das gut, einfach mal machen – doch mitunter ist ein bisschen Planung auch gar nicht so verkehrt. Das haben wir gerade wieder gemerkt, als wir Anfang März mit Hanna und Norman nach Marrakesch geflogen sind. Denn gebucht haben wir den kleinen Trip schon im Oktober 2016. Da war der März noch Meilen entfernt. Und hätten wir damals gewusst, dass ich in der Zwischenzeit meinen Job kündigen werde und wir nun beide selbstständig sind – wer weiß, vielleicht hätten wir die Reise erst einmal aufgeschoben. Wie gut, dass wir einfach gebucht hatten und so in dieser stressigen Zeit, die wir gerade erleben, eine kleine Auszeit hatten, in der wir einmal unsere Batterien aufladen konnten.

Marrakesch lohnt sich auch „nur“ für ein langes Wochenende. Nach vier Stunden Flug landet man in einer komplett anderen Welt: Mit 30 Grad, fremden Gerüchen und unendlich vielen Eindrücken. Dieses Wochenende fühlte sich an wie eine Woche Urlaub. Zu beschreiben, wie es war, fällt mir dennoch schwer. Es war beeindruckend und wuselig, es war manchmal zu viel und unterm Strich einfach rundum gut. Ob es jedem gefällt? Ich weiß es nicht. Man muss schon Lust auf Trubel haben, gewisse Dinge ausblenden und sich auf andere einlassen können. Uns fiel das leicht, und selbst unsere fehlenden Koffer, die von Hamburg nicht nach Marrakesch, sondern nach Malaga flogen, und erst mit knapp 36 Stunden Verspätung ankamen, konnten die Freude nicht trüben.

Wohnen in der Medina

Übernachtet haben wir in einem privaten Riad mitten in der Medina, der Altstadt von Marrakech. Es gibt auch (größere) Hotels am Rande der Stadt, aber ich empfehle jedem, in die Medina zu gehen. Von dort erreicht man alles zu Fuß, erlebt die Einheimischen, hat die vielen kleinen Handwerksbetriebe, die Läden und Marktstände direkt vor der Tür.

Wir ließen uns ohne großen Plan drei Tage durch die Stadt treiben. Besichtigten die Koranschule Medersa Ben Youssef, den Jardin Majorelle, das Fotomuseum Maison de la Photographie (unbedingt machen!), erkundeten die Souks mit den vielen kleinen Händlern und haben ganz nebenbei auch noch sehr gut gegessen.

Couscous bis zum Umfallen

Dabei hatten wir, was die Kulinarik angeht, nicht einmal allzu große Erwartungen. Ja, ein bisschen mehr Würze hätte hier und da sicher gut getan – aber insgesamt war die Küche besser als vorher gedacht. Vegetarier kommen auf ihre Kosten, Lammliebhaber sowieso, es gibt Couscous in Hülle und Fülle – und am besten schmeckt das alles gekocht in einer Tajine, dem typischen nordafrikanischen Schmortopf. Ein paar Highlights: das Hähnchen mit Zitrone und Oliven im Cafe Dabachi direkt am Djemaa el Fna, dem berühmten Marktplatz der Stadt. Die Paprika, der frittierte Fisch und die besten Pommes frites ever an Stand 14 auf dem Djemaa el Fna. Die Lamm-Tajine mit Datteln und Aprikosen im Le Jardin (zückt die Handys! Instagram-Alarm!). Und – wenn auch etwas untypisch – unser Lunch im La Famille, einer kleinen Hinterhof-Oase mit tollen vegetarischen Gerichten.

Gut zu wissen: In den meisten Restaurants gibt es keinen Alkohol und man bekommt ihn auch nicht mal eben so irgendwo im Geschäft. Stattdessen trinkt man zu jeder Tages- und Nachtzeit extrem süßen marokkanischen Minztee. Wir haben ihn geliebt.

Lamm-Tajine im Le Jardin

Shop til you drop

In Marrakech darf (muss! soll!) gehandelt werden. Ob der fehlenden Koffer haben wir uns zurückgehalten, aber eine Kissenhülle aus einem alten Kelim und ein Paar Babouche mussten es dann doch sein. Wer es auf einen Teppich oder ähnliches abgesehen hat (die Auswahl ist riesig und sooo gut), sollte genügend Zeit zum Handeln einplanen. Dann kann man da ganz offenbar ein paar echte Schnäppchen machen.

Das sparen wir uns für das nächste Mal auf. Denn eines steht fest: Wir werden sicher wieder kommen.

Der Rest vom Fest im La Famille

Unser Riad – inklusive Mitbewohner Oskar, der böse Geister vertreiben soll

Köstlich: das Essen an Stand 14 auf dem Djemaa el Fna

Marrakesch für Zuhause