Das beste Bier der Welt

von in Craft Beer

Natürlich ist diese Behauptung rein subjektiver Natur, kann man über Geschmack bekanntlich streiten. Ebenso wird man nie einer Meinung sein, wer der beste Schlagzeuger der Welt ist (wobei wir alle wissen, dass es sich hier nur um Danny Carey handeln kann). Beim Bier scheinen die einen sich sicher zu sein und haben das Westvleteren, ein Trappistenbier aus Belgien, einst zum besten Bier der Welt gekürt. Auch für mich ist die Sache klar, der beste Hopfensaft der Welt kommt aus Norwegen. Darf ich vorstellen: Nøgne Ø Brun.

Es steht mittlerweile seit mehr als drei Jahren auf Platz eins meiner persönlichen Biercharts. Damals waren wir für ein Wochenende in Oslo. Ingvill, Halbnorwegerin und langjährige Freundin von Nicole, lebt dort gemeinsam mit Erik, einem Bilderbuchnorweger: blond, gemütlich, etwas reserviert, aber stets sehr höflich mit einem ausgezeichnet trockenem Humor. Und offensichtlich auch ein Mann mit einem exzellenten Biergeschmack. Denn zur Begrüßung gab es neben selbstgemachter Lasagne eine exquisite Auswahl hopfenlastiger Aperitifs. Kein Fernsehbier weit und breit, nur Spezialitäten lokaler Micro-Brauereien. Dieser Mann gefällt mir!

Ich entschied mich gleich für das Nøgne Ø Brun, ein mir bis dato unbekanntes Bier. „Good choice“, sagte Erik, und war sichtlich gespannt auf meine Reaktion. Mir gefielen schon Flasche und Logo; dazu die Farbe im Glas, dieses dunkle Braun, das sich in Bernstein verwandelt, hält man das Bier gegen das Licht. Mit einer gesunden Portion Ehrfurcht setze ich das Glas an, doch das verschmitzte Grinsen von Erik ermutigte mich so sehr, dass ich direkt einen großen Schluck abpumpen musste. Ich war eh aufgeregt, hat mich diese Stadt doch schon seit der Ankunft nur geflasht. Und ich hatte Durst!

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Und wie schmeckt es? Für mich einfach perfekt: bitter, herb, süß und etwas süffig. Keine besonderen Noten im Abgang, zumindest habe ich bei diesem Bier nie darauf geachtet. Der erste Eindruck war so rund, dass mich Details nicht interessierten. Vergleichen kann man das vielleicht mit der Wohnungssuche, wo man irgendwann in einer Bude steht und sich direkt dort leben sieht. Dann verlässt man die Besichtigung und hat sogar vergessen, Fotos zu machen oder Fragen zum Keller zu stellen. Einfach, weil das Gefühl an sich schon so vollkommen war.

Aber zurück zum Nøgne Ø. Ein Detail ist hier nicht ganz unwichtig: Ich war im Urlaub – und im Urlaub schmeckt immer alles besser. Ein Sagres kommt im sonnigen Portugal sommerlicher daher als im verregneten Hamburg, die beste Pho bekommt man nun mal in Vietnam und nicht beim Lieferdienst. Da ich eh aufgeregt und voller Endorphine war, liegt es nicht ganz fern, dass die äußeren Eindrücke mir hier einen Streich spielen könnten. Also musste ich ein paar Flaschen mit nach Hause nehmen und den Alltagstest machen. Schmeckt das Superbier auch in der Eurozone? Ich hoffte es wenigstens, denn wir waren in Norwegen und das Bier damit eine kleine Investition: 75 norwegische Kronen, umgerechnet 8 Euro, kostet eine Flasche. Für einen Kasten Nøgne Ø kann man in Deutschland also locker sein Auto volltanken.

Doch alle Sorgen waren unbegründet – das Nøgne Ø Brun hat den Heimattest mit Bravour bestanden und mit dem Nøgne Ø Imperial Stout habe ich zudem noch mein neues Lieblings-Stout gefunden. Mir scheint: Ganz gleich, was die diese Brauerei aus Grimstad, einer kleinen Stadt 280 Kilometer südwestlich von Oslo, anfasst, es wird zu Braugold. Selbst das Weizenbier schmeckt top! Dabei mag ich Weizenbier nicht einmal. Wie schaffen die das nur?

Skål!

Hierzulande an Nøgne Ø zu kommen gestaltet sich leider äußerst schwierig. Da Norwegen eine rigide Ausfuhrpolitik für Alkohol pflegt, kann man als Privatperson keine Produkte direkt von der Brauerei beziehen. Einige Online-Shops haben ab und an mal ein paar Sorten in kleiner Stückzahl auf Lager, das Brun selbst ist aber nur sehr selten dabei. Selbst in Oslo muss man es oft vorbestellen. Der französische Lieferant Saveur Bière hat zur Zeit die beste Auswahl an Nøgne Ø im Angebot, obwohl auch hier das Brun fehlt.

Doch macht Euch keine Sorgen um mich: Letztes Weihnachten kamen unsere norwegischen Freunde mit dem Auto nach Hamburg und brachten mir einen Vorrat mit, der erstmal ein paar Monate halten sollte. Ein kleines Geschenk von mir an mich selbst; eine rechtzeitige Vorbestellung machte es möglich, denn gerade zur Weihnachtszeit ist das Brun in Oslo schnell vergriffen. Ich bin glücklich, unsere Abstellkammer platzt aus allen Nähten und über Geld reden wir an dieser Stelle lieber auch nicht. Aber sagen wir mal so: Über Spritpreise beschwere ich mich vorerst auch erstmal nicht mehr.

Nøgne Ø