Support The Madness! Brewcifer baut auf die Crowd

von in Craft Beer

Es tut sich etwas auf der deutschen Bierlandkarte, und wir alle können dazu beitragen. Denn nach zwei Jahren Brauerei-WG mit der Buddelship Brauerei möchte Brautalent Jochen Mader nun den nächsten Schritt gehen und mit Brewcifer in sein eigenes Brauhaus ziehen. Dafür hat er sich über StartNext an die Crowd gerichtet, um sich finanzielle Unterstützung zu holen. Und schon nach einer Woche liegt die virtuell gespendete Summe im fünfstelligen Bereich. Ich traf den gebürtigen Schwaben bei hochsommerlichen Temperaturen auf ein Bier, um mit ihm über seine Pläne zu sprechen.

Mehr zur Crowdfunding-Kampagne gibt es auf StartNext

Keine Frage, die Brewcifer-Kreationen sind längst kein Geheimtipp mehr in der Szene. Ob das Hops & Needles mit Fichtentrieben, das Spark – Chili Spiced IPA mit Chili und Schokolade oder das brandneue Rhubarb Wire mit Rhabarber und Basilikum (eine Kollaboration mit Hops Hysteria): Wer bisher noch keines von Jochens Bieren probiert hat, sollte das dringend nachholen. Seit zwei Jahren werden die feinen Gerstensäfte in kleiner Auflage in der Buddelship Brauerei in Hamburg produziert. Die Nachfrage steigt stetig – und so will Jochen jetzt den nächsten Schritt gehen. Groß denken, groß handeln, lautet dabei sein Motto.

Denn wenn eine Ein-Mann-Brauerei ein Crowdfunding-Projekt startet und 55.000 Euro als Finanzierungssumme ansetzt, dann ist das natürlich erst mal kein Pappenstiel. Mit dem Geld soll aber nicht nur ein eigenes Brauhaus finanziert werden – auch ein dazu gehöriger Taproom steht auf Jochens Businessplan. Dafür reicht das Geld aus der Kampagne natürlich nicht, den größten Teil deckt der Bierliebhaber durch eigene Rücklagen und Kredite. Was er plant und was das alles kostet, darüber spricht er ganz offen. Transparenz ist ihm wichtig – bei sich selbst und auch bei anderen Brauern. Das schafft natürlich auch Raum für Kritik. „Über die freue ich mich aber“, sagt er. „Ich finde es zum Beispiel überhaupt nicht schlimm, wenn mir jemand sagt, dass ihm mein Bier nicht schmeckt. Das sind klare Aussagen, damit kann ich arbeiten und vielleicht hier und da noch etwas verbessern.“

Bislang ist die Resonanz aber mehr als positiv. „Auf einen ersten Ansturm habe ich vielleicht insgeheim gehofft, weil ich das alles auch lange vorher angekündigt hatte. Aber dass es so krass anläuft, das hätte ich einfach nicht gedacht“, erzählt der Wahlhamburger begeistert. Und er weiß auch: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Denn auf den Vorschusslorbeeren ausruhen kann und will er sich nicht.

Nach zwei Jahren als Hobbybrauer schon flügge zu werden, das finden einige sicher größenwahnsinnig. Doch manchmal muss man halt einfach machen. „Ja, man muss schon etwas bescheuert sein, auf jeden Fall“, sagt Jochen, der jetzt noch hauptberuflich als Musikproduzent für Film und Werbung in seinem Studio in Hamburg-Eilbek arbeitet und nun sein Hobby zum Hauptberuf machen will. „13-15 Stunden am Tag vor dem Rechner, davon will ich einfach weg. Ob das am Ende alles klappt oder nicht, das steht natürlich auf einem anderen Blatt geschrieben. Aber ich muss es einfach probieren. Das Brauen vereint so viele Leidenschaften von mir. Für mich ist es das absolute Nerd-Hobby.“

Die Fantastischen Drei: Hops & Needles, Spark – Chili Spiced IPA und das Rhubarb Wire

Die Fantastischen Drei: Hops & Needles, Spark – Chili Spiced IPA und das Rhubarb Wire

Und was können wir vom Brauteufel erwarten, wenn der Plan aufgeht? „Jetzt ist gerade Fasslagerung bei mir das ganz große Thema, aber nicht unbedingt die sterile Lagerung, sondern das wilde Zeug wie zum Beispiel Sauerbiere“, erzählt Jochen. Außerdem stehen auch längst vergessene Kräuter auf seinem Einkaufszettel, die vielleicht auch schon vor 1516 im Bier verbraut wurden. Zum Beispiel Heidekraut. „Wir haben doch alle irgendwo den Auftrag, Vielfalt aufzuzeigen. Und sie ist auch da: Sie wächst direkt vor der Haustür.“ Auch auf weitere Kollaborationen mit anderen Brauern freut sich Jochen. Er pflegt gute Kontakte mit irischen Brauereien wie Lambert & Sons und White Gypsy, steht aber auch mit hiesigen Brauern eng in Kontakt. „HansCraft, Heidenpeters, Braukunstkeller, Tilman von Tilmans Biere … das sind alles so supernette Jungs, da wird bestimmt noch der ein oder andere Sud zusammen aufgesetzt“, freut er sich schon jetzt. Auch mit größeren Brauereien wie BrewDog oder Stone Brewing könnte er sich eine Zusammenarbeit vorstellen.

Keine Frage – Jochens Euphorie ist ansteckend. So kann man nur hoffen, dass die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich weiter läuft und wir uns schon bald über neue Kreationen von ihm freuen können. Knapp 70 Tage haben wir alle noch Zeit, ein paar Euronen in eine gute Sache zu investieren. Jemand der so einen Spaß und Leidenschaft in sein Produkt steckt, verdient auch tatkräftige Unterstützung. Schließlich haben wir alle etwas davon. Nämlich verdammt gutes Bier aus einer verdammt guten Stadt.

Brewcifers Crowdfunding-Kampagne bei StartNext

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