Berge, Bier und Bacon – Männerurlaub in Kanada

von in Auf Reisen

Du willst mit deinem besten Kumpel mal so einen richtigen Männerurlaub machen, einen Brotrip vom Feinsten –  mit geiler Natur, Lagerfeuer und viel Zeit für viel Ruhe? Kanadas Westen wartet nur auf Euch!

Im Mai 2012 bin ich mit meinem besten Freund Niclas für dreieinhalb Wochen nach Kanada gereist, um in Vancouver Freunde zu besuchen und vierzehn Tage durch British Columbia zu reisen. Dabei hatten wir nicht das Ziel, uns beim Wildcampen selbst zu finden. Wir wollten einfach entspannt reisen und uns auf das Wesentliche konzentrieren: Bierchen trinken, die Natur genießen und mal unter uns sein. Wie das am stressfreiesten funktioniert, verrate ich Euch jetzt.

Die Route

In zwei Wochen sieht man von diesem großen Land natürlich nur einen kleinen Teil. Dennoch lohnt sich die Reise. Unsere Route führte uns von Vancouver gen Norden nach Skoomkumchuck, danach nach Vancouver Island und schließlich in die Berge in den Strathcona Provincial Park. Und für alle, denen das noch nicht genug ist, habe ich weiter unten ein kleines Bonusprogramm in petto.

Ankommen in Vancouver

Was ich jedem wirklich nur ans Herz legen kann, ist sich Zeit zu nehmen für die wunderbare Stadt Vancouver. Erstens kann der Jetlag fieser reinhauen als man denkt. Zweitens ist es nicht verkehrt, einmal die Menschen kennenzulernen, die dieses Land ausmachen. Vancouver gilt als liberalste und entspannteste Stadt Kanadas. Nach ein paar Tagen merkt man, wie man runterkommt und einen Gang zurückschaltet. Erst dann hat man die Ruhe, das Umland zu genießen. Bevor der Flieger wieder zurück in die Heimat geht, empfehle ich übrigens zum Abschied noch mal einen kurzen Stopp in Vancouver. Es lohnt sich wirklich.

In Vancouver kann man viel machen und macht nie etwas verkehrt. Unbedingt einplanen solltet Ihr aber einen Besuch von Granville Island, dem bunten Kulturviertel südlich von Downtown. Auf dem entzückenden Food Market schafft Ihr die kulinarische Grundlage, bevor Ihr bei einem kühlen Honey Lager der Micro-Brauerei Granville Island Brewing die Aussicht auf die Stadt genießen könnt.

Ebenfalls Pflicht: das beste Poutine der Stadt bei Fritz European Fry House. Ernsthaft, wer nach Kanada reist und kein Poutine probiert, weiß auch nicht wie Hot Dogs in Dänemark schmecken.

Entspanntes Reisen mit 405 PS

Wir haben uns bereits von Deutschland aus einen Camper bei Canusa gemietet. Das geht natürlich auch vor Ort, ist aber – je nach Reisezeit – finanziell und zeitlich schwieriger zu kalkulieren. Wir wollten flexibel sein und haben uns gegen ein klassisches Wohnmobil und für einen Pickup mit Camping-Modul entschieden: einen F350 Super Duty mit einem 6.7 l V8, 405 PS und Sitzklimaanlage.

Die Ausstattung ist genau das Richtige, um sich gegenseitig nicht auf den Sack zu gehen: eine große Schlaffläche, eine Sitzecke, die sich zum Bett umbauen lässt. Ein Bad mit Dusche, eine großzügige Küche, eine Außendusche und eine Markise, falls es mal tröpfelt. Es mag dekadent sein, wir fanden es einfach nur geil. An die Größe des Fahrzeugs, die für unsere Verhältnisse enorm ist, gewöhnt man sich recht schnell. Die Straßen in Vancouver und außerhalb sind breit, der Verkehr äußerst entspannt.

Aufwärmen in Skoomkumchuck

Die ersten Tage in Vancouver genossen und die Karre vollgepackt mit Bier und Kohlenhydraten? Dann empfehle ich zum Start einen Tag in den heißen Quellen von Skoomkumchuck, etwa 230 km nordöstlich von Vancouver. Einfach mal mit halbnackten Einheimischen, Aussteigern und anderen Verrückten weit weg von jeglicher Zivilisation in Hot Tubs abhängen.

Auch wenn die Quellen einen eigenen Campingplatz haben empfiehlt es sich, den Twin One Campground am Lillooet Lake anzusteuern, gelegen etwa eine halbe Stunde Autofahrt vor den Quellen. Wenn Ihr Glück habt, seid Ihr dort alleine und habt den besten Platz mit der besten Aussicht exklusiv für Euch. Achtung: Statt einer Straße führt zu diesem Campingplatz eine Log Road. Direkt am See, ohne Leitplanke. Aber wird schon, Ihr seid ja Männer!

Vielfalt erleben auf Vancouver Island

Schön entspannt geht es weiter gen Vancouver Island. Vancouver Island ist groß, Vancouver Island ist wild. Die Familienressorts, die die Ostküste entlang der Fähranleger säumen, vermitteln erst einmal einen anderen Eindruck – und sind für die gedacht, die sich nicht in die Natur trauen. Auch Tofino wird schwer überbewertet. Es sei denn ihr mögt Surfer Dudes und deutsche Familien mit vielen Kindern. Wir mussten zwar etwas suchen, aber wir haben ein paar Ecken gefunden, die noch echten Geheimtipp-Status haben.

Einer davon ist der Arrowvale Campground, ein Campingplatz nahe Port Alberni. Zum Platz gehört eine kleine Farm und es gibt bestes Rindfleisch aus eigener Züchtung. Glaubt mir: Wenn Ihr fünf Stunden wandern wart, dann freut Ihr Euch über ein ordentliches Stück Fleisch von Premiumqualität auf dem Feuer. Außerdem haben die auch einen kleinen Streichelzoo mit Ziegen!

Fährt man den Pacific Rim, die Westküste Vancouver Islands, weiter gen Süden, kommt man kurz vor Ucluelet an einem versteckten Resort vorbei, dem Wya Point. Als wir dort waren war das Resort noch nicht ganz fertiggestellt, hatte aber bereits geöffnet. Dementsprechend leer war es. Was die dort gebaut haben, ist schon sehr erstaunlich: Von kleinen Zeltbuchten bis hin zu edlen Jurten ist alles dabei. Die Natur wurde dabei weitgehens so belassen, wie sie ist, da es sich um ein besonderes Reservat der First Nations handelt.

Für Way Point gilt wie für den gesamten Pacific Rim: Der Pazifik macht alles schroff und wild, das Meer rauscht sich die Seele aus dem Leib. Die Wälder sind dicht bewachsen, alles wirkt etwas unbeständig. Am besten genießt Ihr das bei einer Wanderung entlang des Wild Pacific Trail. Die Natur ist hier wirklich noch so, wie sie gehört.

Weg von der Küste, ab in die Berge

Keine Lust mehr auf Meeresrauschen? Dann wird es Zeit für die Berge. Genauer: den Strathcona Provincial Park, eine Oase im Herzen der Insel. Man fährt Campbell Lake entlang und lässt die Küste mehr und mehr hinter sich. Schon bald hat man keinen Handyempfang mehr und das wird sich auch erst mal nicht ändern. Auf dem Weg passiert man ein paar kleine verschlafene Ortschaften, die Aussicht ist durchweg sagenhaft.

Dort wo der Campbell River und der Buttle Lake aufeinander treffen gibt es einen netten Campground mitten im Wald. Hier machen die Ferien, die unter sich sein wollen. Natur pur, ein dichter Wald, ein See, in dem Ihr morgens baden könnt und bei Nebel eine Szenerie wie aus einem Stephen King Film. Der Wald ist so dicht und hoch bewachsen, dass die Nächte hier stockdunkel sind. Ist das Lagerfeuer aus, steht man im schwarzen Nichts.

Bonusrunde für Thrill Seeker: Sayward

Euer Aufenthalt ist bisher zu harmonisch und Ihr habt Lust auf ein kleines Abenteuer? Dann macht einen Abstecher in das kleine Fischerdörfchen Sayward. Der Weg in die Ortschaft führt über eine einspurige Holzbrücke. Die „Sehenswürdigkeit“ ist ein Hafen mit bombardierten Kriegsschiffen aus dem 2. Weltkrieg. An der letzten Tankstelle vor dem Ort sitzt die Pächterin rauchend neben den Gasflaschen, das Schild vor der Schule hat rostige Einschusslöcher. Das alles denke ich mir nicht aus. Schaut Euch die Webcams an.

Wir sind damals durch Zufall dort gelandet und hatten direkt das mulmige Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Der Campingplatz war ein Parkplatz am Bootsanleger, an dem zwielichtige Gestalten rumlungerten. Am Himmel kreiste ein Adler. Wir waren weg ehe wir bis drei zählen konnten. Was bleibt ist eine gute Geschichte, die man mal am Lagerfeuer erzählen kann.

Gut zu wissen

In Kanada fährt man viele Wege zwei Mal, sieht aber nie dasselbe. Hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Nehmt euch Zeit, haltet mal an und genießt die Aussicht. Sind auch viele Gegenden einsam, wird man sich (fast) nie verloren vorkommen. Die beste Reisezeit ist meiner Meinung nach im Mai und Juni und im September und Oktober. Im Mai ist es in den Städten schon angenehm warm, während in den Bergen noch etwas Schnee liegt. Im September beginnt langsam der fantastische Indian Summer bei ebenfalls angenehmen Temperaturen. Alles was dazwischen liegt ist Hochsaison: viele Menschen überall und alles ist teuer. Wie es in Kanada zu dieser Zeit aussieht, könnt ihr hier sehen. 

Granville Island

Ein guter Start: ein Bierchen auf Granville Island aus der hauseigenen Brauerei.

Poutine

Poutine vom Fritz European Fry House, Commercial Drive, Vancouver

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Niclas und der Gerät!

F350 Super Duty V8

Wie aus dem Prospekt.

Lillooet Lake

Twin One Campground am Lillooet Lake. Weißt, wie ich mein‘.

Lillooet Lake

Coast Mountains

Die Coast Mountains von der Fähre aus gesehen.

Vancouver Island

Vancouver Island – wie aus dem Bilderbuch.

Buttle Lake

Schön hier am Buttle Lake.

Männerdinner

Kartoffeln, Bohnen, Bacon. So frühstücken Männer.

Niclas und ich