7 dunkle Biere für die gemütliche Jahreszeit

von in Craft Beer

Da ist sie wieder, die Jahreszeit ohne leichte Salate und Spaghetti-Tops. Stattdessen wird jetzt gehaltvoll gekocht und sich pummelig gekleidet. Gemütlichkeit ist angesagt und die Natur zeigt nicht nur bei den Tieren, dass es jetzt besser ist, sich weniger zu bewegen und sich etwas Proviant anzufuttern. Warum sollte das beim Bier anders sein? Dürstet uns im Sommer nach leichten Pale Ales, Saisons und Weizenbieren, darf es in den kalten Monaten auch gerne mal ein Porter oder Stout sein. Vollmundige und dunkle Biere mit Röstaromen, Schokoladen- und Kaffeenoten. Dazu im Wollpulli und dicken Socken vor dem imaginären Kamin chillen und das Leben im Liegen genießen. So geht das, so muss das.

Was das Bier angeht freue ich mich sehr auf diese Zeit. Vor allem Stouts sind komplexe Biere mit vielen Aromen, die man nicht unbedingt im Stehen auf einer Grillparty bei 30 Grad wahrnimmt. Je dunkler das Bier, desto mehr Aufmerksamkeit benötigt es. Das geht schon bei der empfohlenen Trinktemperatur los, die meistens zwischen 8 und 15°C liegt, damit sich die Aromen so richtig entfalten können. Bei mir darf es deshalb auch gerne beinahe Zimmertemperatur sein.

Nun möchte ich Euch sieben großartige Biere vorstellen, von denen einige schon seit Jahren zu meinen Favoriten gehören und die teilweise schon ein bis zwei Jahre Lagerung hinter sich haben. Denn je höher der Alkoholgehalt und niedriger der Hopfenanteil ist, desto besser reift ein Bier bei passender Lagerung. Vielleicht ist hier ja etwas für Euer Weihnachtsessen mit der Familie oder Freunden dabei. Ihr werdet sehen: Es muss eben nicht immer Rotwein sein.

1. 3 Bean Stout – Lervig Aktiebryggeri, Norwegen

Lervig, 3 Bean Stout

Die Lervig Aktiebryggeri aus dem norwegischen Stavanger hat für ihre Größe schon eine beachtliche Menge an verschiedenen Bieren unters Volk gebracht. Und alle, die ich bisher von denen probiert habe, waren auch von ausgezeichneter Qualität. Beim „3 Bean Stout“ ist das nicht anders. Es ist sogar das beste Bier, das ich bisher von denen getrunken habe – und gleichzeitig der perfekte Einstieg in unsere illustre Runde.

Dieses Imperial Stout ist unglaublich vielfältig. Im Aroma dominiert die Vanille und geschmacklich bewegen wir uns hier zwischen Schokolade, Kakao und Kirschen. Mit seiner Süße und dem vollmundigen Schaum ist dieses Bier das perfekte Dessert-Bier, am besten nach einem Weihnachtsbraten mit Rotkohl und Knödeln. Erstaunlich ist, dass dieses Bier in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Mikrobrauerei Cervejaria Way entstanden ist. Der Weg um den halben Globus hat sich auf alle Fälle gelohnt.


Imperial Stout, 13% vol. – www.lervig.no

2. Gotland 1349 Baltic Porter – Buddelship Brauerei, Hamburg

Buddelship Brauerei, Gotland 1394

Die Buddelship Brauerei sitzt in Hamburg-Eimsbüttel und ist wahrlich eine Bereicherung für diese Stadt. Was Simon Siemsglüss dort in seinen Kesseln zusammenbraut hat bisher immer ein so hohes Maß an Qualität gehabt, dass die etablierten Brauereien dieser Stadt sich mal ein Zwickel davon abzapfen sollten. Mit dem „Gotland 1394“ bekommst du die Atmosphäre der Speicherstadt in Flaschen. Angenehmes Röstaroma mit Kaffeenoten und doch leicht zu trinken, was dieses Baltic Porter zu einem wunderbaren Aperitif macht. Nicht skeptisch gucken jetzt, sondern einfach mal ausprobieren!


Baltic Porter, 6,5% vol. – www.buddelship.de

3. ÖÖ Imperial Baltic Porter – Põhjala, Estland

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Põhjala gehört zur Zeit zu meinen Lieblingsbrauereien, da die Esten stets auf den Punkt brauen und immer eine kleine Besonderheit mit einfließen lassen. Kein Schnickschnack, aber dennoch immer viel zu entdecken (und diese schönen Label immer …). Das „ÖÖ“ ist ein Baltic Porter mit einem schönen Röstaroma und legt sich angenehm cremig-weich und unaufdringlich auf die Zunge. Mit diesem Bier schließt Du einen versifften und verregneten Herbsttag ab und hoffst gleichzeitig, dass es noch weitere geben wird.


Baltic Porter, 10,5% vol. – pohjalabeer.com

4. Imperial Stout – Nøgne Ø, Norwegen

Nøgne Ø, Imperial Stout

Ach, Nøgne Ø. Warum muss jedes Bier von euch immer so perfekt sein? Das schafft doch Abhängigkeiten! Dabei hat Norwegen eines der härtesten Exportgesetze für Alkohol, weshalb ich wirklich nur selten an deren Biere komme. Also entweder mitbringen lassen oder selbst hinfahren, falls nicht irgendein Online-Shop doch mal ein paar Exemplare auf Lager hat.

Doch das Warten lohnt sich, denn Nøgne Ø hat das Talent, jede Biersorte als eine Blaupause zu brauen. Und so kann und sollte sich jedes Imperial Stout an diesem messen lassen. Schwarz wie die Nacht, ultra komplex und schwer wie ein Sack voller nasser Kaffeefilter. Schokolade, Kirschen, Sherry und Cognac sind nur einige Noten, die dich hier erwarten. Muss man ein mal in seinem Leben probiert haben und gehört eigentlich auf Vorrat in jeden Bierkeller.


Imperial Stout,  9% vol., IBU 75 – www.nogne-o.com

5. Melchior Bourbon Oak Aged – Picobrouwerij Alvinne, Belgien

Alvinne Melchior Oak Aged

Und nun zu etwas vollkommen anderen. Barley Wines sind starke Ales mit einem hohen Alkoholgehalt, ähnlich dem eines Weines. Wenn diese dann noch mehrere Monate in Bourbon-Fässern gereift sind, dann ist das Ergebnis meist etwas ganz Besonderes. Aromen von Vanille, Karamell und Beeren, eine herrliche Süße und dabei auch noch gefährlich süffig. Kommt gut nach einem leckeren Essen und vor dem ersten Whiskey im Kaminzimmer, während draußen der Schneesturm tobt. Mit diesem Bier beschäftigt man sich eine Weile, da es sich während des Trinkens noch entwickelt. Eines der interessantesten Biere, die ich in letzter Zeit probiert habe und seinen Preis bei jedem Tropfen wert.


Barley Wine, 11,5% vol. – www.alvinne.be

6. Dry Stout Citra – The Kernel, England

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Ein sehr ungewöhnliches Stout. Schon beim Öffnen ist man überrascht von der intensiven Hopfenblume, was man bei einem Stout ja eher nicht erwartet. Das Dry Stout mit Citra-Hopfen ist auch vergleichsweise leicht und sehr speziell, wenn man kräftige Stouts wie z.B. ein Lervig oder Nøgne Ø zum Vergleich nimmt. Dabei sollte man der Empfehlung der Londoner folgen und das Bier recht zeitnah genießen. Denn je mehr Hopfen ein Bier enthält, desto schneller leidet die Qualität bei der Lagerung. Mehr kann ich nicht verraten, doch generell gilt: Wer die Möglichkeit hat, ein The Kernel zu trinken, der sollte das gefälligst auch tun.


Dry Stout, 4,7% vol. – www.thekernelbrewery.com

7. Natt Imperial Porter – Ægir Bryggeri, Norwegen

Aegir, Natt Imperial Porter

Das „Natt Imperial Porter“ (auch als „Lynchburg Natt“ erhältlich) reifte in alten Jack-Daniels-Fässern und hat eine dementsprechende Aura. Dunkle Schokolade, ein wenig Karamell und Kirschen passen gut zu einem deftigen Essen, da das Natt nicht zu dominant, dafür aber sehr ausgewogen ist.

Die Ægir Bryggeri ist die Hofbrauerei des Flåmsbrygga Hotels in Flåm im Westen Norwegens. In diesem beschaulichen Ort leben gerade einmal 450 Einwohner und es liegt im Tal nahe des Aurlandfjords. Ein hauseigener BrewPub, der drei Jahre in Folge als „BrewPub of the Year“ in ganz Norwegen gekürt wurde, gehört natürlich auch dazu. Womit dieser Ort ab sofort ziemlich weit oben auf meiner Reiseliste steht. Bemerkenswert ist, dass diese Brauerei erst 2007 gegründet wurde.


Imperial Porter, 10% vol. – aegirbryggeri.no

Bezugsquellen